Welche Art von ERP-System ist für Ihr Unternehmen am besten geeignet?
Für Unternehmen, die ein neues ERP-System einführen oder wechseln wollen, beginnt die Suche oft mit einer scheinbar vernünftigen Anforderung: Wir wollen, was wir haben – nur besser. Die bestehenden Prozesse sollen möglichst 1:1 abgebildet werden. Alles, was bislang nicht funktionierte, soll zudem gelöst werden.
Das klingt pragmatisch. Aber genau hier liegt das eigentliche Problem: Man zementiert eine Logik, bevor die Frage gestellt wurde, ob diese Logik noch trägt.
Zwei Wege – zwei Logiken
Modifikationslogik: Das System folgt Ihren Prozessen
Der erste Weg klingt verlockend: Das ERP passt sich Ihren bestehenden Unternehmensabläufen an. Im ersten Jahr fühlt sich das nach einem perfekten Fit an: Das System spiegelt Ihre aktuelle Realität wider.
Das Problem zeigt sich später. Viele Anpassungen zum Einführungszeitpunkt oder auch im Nachhinein greifen tief in die Systemlogik ein – und erschweren künftige Updates, weil diese Code-Änderungen bei jedem neuen Release geprüft, angepasst oder neu entwickelt werden müssen. Neue Funktionen, regulatorische Anforderungen, KI-Module oder Sicherheits-Patches lassen sich nicht mehr einfach einspielen. Viele ERP-Installationen fallen dadurch monate- oder gar jahrelang bis hin zu Generationen zurück. Das System bremst zunehmend alle Prozesse aus.
Best-Practice-Logik: Sie übernehmen bewährte Prozesse
Der zweite Weg verlangt am Anfang etwas mehr Bereitschaft zur Veränderung: Das Unternehmen übernimmt Prozesslogiken, die sich in vergleichbaren Fertigungsbetrieben bewährt haben. Der initiale Fit ist eventuell nicht in allen Details perfekt. Aber das System bleibt dauerhaft updatefähig.
Neue Funktionen, Erweiterungen sowie gesetzliche, technische oder Security-Anforderungen lassen sich einspielen, ohne ein neues Projekt zu starten. Die Implementierung ist schneller, die Kosten bleiben kalkulierbar. Und weil das Softwarefundament kontinuierlich in Zusammenarbeit mit den Kunden weiterentwickelt wird, bleibt das Unternehmen zugleich stabil und beweglich – auch wenn sich Märkte, Anforderungen oder Wettbewerbsbedingungen verändern.
TCO: Der Preis ist nicht der Endpreis
Schauen Sie nicht nur auf das Preisschild. Denken Sie langfristig.
Die Gesamtbetriebskosten (Total Cost of Ownership, TCO) umfassen alle Ausgaben über den gesamten Lebenszyklus eines Systems. Der Kaufpreis macht dabei etwa 20 % aus. Die restlichen 80 % entstehen im Betrieb. Sie fallen je nach gewählter Logik sehr unterschiedlich aus.
Wenn wir auf einen Kunden zugehen, hat er oft bereits einen ERP-Versuch hinter sich, bei dem sich die Implementierung in die Länge gezogen hat, die Integration überwältigend wurde und der erwartete Nutzen ausblieb.
Bei stark modifizierten Systemen sind viele dieser Kosten nicht vorab planbar: technischer Support, Beratungsaufwand außerhalb der ursprünglichen Spezifikation, Produktivitätsverluste aufgrund von Benutzerproblemen, IT-Aufwand für Wartung und Fehlerbehebung. Bei Best-Practice-Systemen sind diese Positionen in der Regel klar angegeben. Das erleichtert Planung und Budgetierung erheblich.
Hinzu kommt: Wer auf Best Practice setzt, erreicht den ROI deutlich schneller – auch weil die Einführung erheblich kürzer dauert. Wer im Frühjahr entscheidet, kann realistischerweise noch vor Weihnachten produktiv sein.
Support, Skalierbarkeit, Compliance
Best-Practice-Systeme profitieren von einem festen Release-Plan mit regelmäßigen Updates, inklusive Fehlerkorrekturen und neuen Funktionen, die direkt nutzbar sind. Upgrades lassen sich mit minimalen Unterbrechungen einspielen. Das System wird laufend weiterentwickelt, um neue Anforderungen abzudecken: beispielsweise Cybersicherheitsstandards, internationale Reporting-Pflichten, technische Änderungen bei Betriebssystemen oder Browsern.
Modifizierte Systeme hingegen erfordern bei jedem Update – auch solchen, die klar außerhalb Ihres Einflussbereichs liegen – immer wieder neue Anpassungen. Dies resultiert in einem erhöhten Risiko für Konflikte, Fehlfunktionen und kostspielige Verzögerungen. Viele Unternehmen stellen irgendwann fest, dass sie nicht mehr auf aktuellem Stand sind. Wollen sie wieder voll funktionsfähig werden, ist ein eigenes Großprojekt unausweichlich.
Wenn bei einem System, das Tausende von Unternehmen nutzen, etwas schiefläuft, können wir sofort handeln. Bei maßgeschneiderten Lösungen gibt es selten eine Abkürzung. Jeder Fehler erfordert eine eigene Untersuchung
Auch die Skalierbarkeit folgt dieser Logik: Best-Practice-Systeme sind auf Wachstum ausgelegt. Modifizierte Systeme skalieren nur so weit, wie es die ursprüngliche Spezifikation erlaubt.
Vorteile und Nachteile auf einen Blick
Modifikationslogik |
Best-Practice-Logik |
||
| Implementierung | Aufwendiger, schwerer planbar | Schneller, planbarer | |
| Updates | Aufwendig, immer neue Anpassungen | Standardmäßig enthalten | |
| TCO | Schwer kalkulierbar | Transparent planbar | |
| Skalierbarkeit | Abhängig von Spezifikation | Von Anfang an angelegt | |
| Flexibilität | Hoch zu Beginn | Dauerhaft, aufgrund kontinuierlicher Updates |
Kernfunktionen mit Erweiterungspotenzial
Gut konzipierte Best-Practice-Lösungen sind keine starren Systeme. Sie decken branchenspezifische Prozesse ab und bieten darüber hinaus notwendige Erweiterungen: Maschinenanbindungen, Lagerverwaltungsintegrationen, EDI-Unterstützung, KI-Module. Der Kern bleibt stabil und das System wächst mit.
Stabilität und Fachkräftemangel
Modifizierte Systeme stellen auch personell eine Herausforderung dar. Besonders in einer Zeit, in der sich mittelständische Fertigungsunternehmen schwer damit tun, geeignete Fachkräfte im IT-Umfeld zu finden. Wer ein stark angepasstes System betreibt, ist oft auf spezialisiertes internes Know-how oder externe Berater angewiesen: für jedes Update, jede Erweiterung, jeden Fehler. Fällt dieses Wissen weg – z. B. aufgrund Fluktuation oder Ruhestand – wird das System zur Blackbox.
Best-Practice-Lösungen, insbesondere wenn sie als SaaS betrieben werden, reduzieren diese Abhängigkeit erheblich. Der Anbieter spielt Updates kontrolliert und dokumentiert ein. Kein internes IT-Team und keine externe Beratermannschaft müssen jedes Mal neu anrücken, nur um den Anschluss zu halten.
Wir erleben oft, dass Unternehmen jahrelang mit älteren Versionen arbeiten, weil Updates manuell durchgeführt werden müssen. Dann entgehen ihnen neue Funktionen, die bereits verfügbar wären.
Die eigentliche Frage
Bevor Sie sich entscheiden, sollten Sie sich einige grundlegende Fragen stellen: Wie stark unterscheiden sich Ihre Prozesse wirklich von dem, was in Ihrer Branche als bewährt gilt? Verfügen Sie über interne IT-Ressourcen, um ein modifiziertes System langfristig zu betreiben? Und wie wichtig ist es Ihnen, dass Ihr System in 5, 10 oder 15 Jahren noch auf dem aktuellen Stand ist – ohne erneutes Großprojekt?
Die Antworten auf diese Fragen sind oft aufschlussreicher als jeder Funktionsvergleich und zeigen klar, welche Logik langfristig zu Ihrem Unternehmen passt.
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Weitere Fragen zu Best-Practice-ERP-Systemen
Warum ist ein ERP-System, das auf Branchenstandards setzt, insgesamt oft günstiger?
In den meisten Fällen liegt das an der schnelleren Einführung und den geringeren Update-Kosten im Vergleich zu modifizierten Systemen.
Kann ein Best-Practice-ERP-System an andere, bestehende Systeme angebunden werden?
Ja, über vorgefertigte oder neu entwickelte Integrationen. Monitor verfügt über interne Entwicklungsteams, die gemeinsam mit Ihrem Projektmanager Integrationen entwickeln und pflegen.
Warum sollte ich ein modifiziertes ERP-System vermeiden
Systeme, die nur eine Plattform und kein vollständiges Geschäftssystem bieten, werden mit der Zeit schwer wartbar. Die Kosten steigen schnell, und es fehlen der langfristige Support und die Weiterentwicklung, von der Best-Practice-Systeme profitieren
Über Johan Holmsten
Mit über 25 Jahren ERP-Erfahrung in Vertrieb, Projektmanagement und Implementierung hat Johan Hunderten von Fertigungsunternehmen geholfen, ihre Abläufe zu optimieren, Marktanteile zu gewinnen und ihre Ziele zu erreichen. In seiner Rolle als Sales & Marketing Director bei Monitor ERP spielt er eine wichtige Rolle beim internationalen Wachstum des Unternehmens – mit insgesamt 15 Tochtergesellschaften, die Kunden weltweit mit ERP-Lösungen versorgen.